Salafistischer Machtkampf in Bremen?

In Bremen haben am Dienstagmorgen Spezialeinheiten aus mehreren Bundesländern Wohnungen und Geschäfte durchsucht. Es ging dabei um gewaltsame Auseinandersetzungen in der salafistischen Szene.

Philipp Hertzog (CC BY-SA 3.0)
Foto: Philipp Hertzog (CC BY-SA 3.0)

Es geht ganz schön ab in der salafistischen Szene in Bremen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben Polizeiaktionen am Dienstagmorgen mit einer gewaltsamen Konflikteskalation in Bremens salafistischen Szene zu tun.

Zunächst soll es in der vergangenen Woche zwei getrennte Vorfälle gegeben haben, bei denen Mitglieder der Szene verletzt wurden. Am 21.04 wurde dabei nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ein Mann aus seiner Wohnung in Gröpelingen gelockt und mit einem Messer verletzt. Am 22.04 wurde dann ein weiterer Mann in der Nähe des Einkaufszentrums Lindenhof angegriffen.

Der Polizeieinsatz heute morgen beruht dann auf Informationen der Polizei, dass die gleiche Personengruppe, die auch für die vorhergehenden Angriffe verantwortlich ist, sich dazu verabredet haben soll, zwei weitere Personen umzubringen.

Die Staatsanwaltschaft führt neun Ermittlungsverfahren.

Um sechs Uhr am Dienstagmorgen begann die Polizei in Bremen mit der Durchsuchung von insgesamt neun Wohnungen und Geschäften. Dabei kamen Spezialeinheiten aus Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zum Einsatz. Die Staatsanwaltschaft berichtet von mehreren Identitätsfeststellungen. Bremen Reporter zeigen auf ihrer Facebook-Seite Bilder, die Nahe legen, dass Personen zumindest vorübergehend in Gewahrsam genommen wurden.

Radio Bremen stellt in seiner Berichterstattung einen Zusammenhang mit dem Brand des ehemaligen Vereinsgebäudes des verbotenen salafistischen Kultur- und Familienvereins (KuF) her. Das Gebäude ist dabei Anfang April komplett zerstört worden.

Die Gründer des KuF spalteten sich 2007 vom ebenfalls salafistischen Islamischen Kulturzentrum (IKZ) ab. Auch damals ging es um die verschiedene Auslegung von islamischen Glaubensinhalten. Und auch innerhalb des KuF soll man sich nicht bei allem immer ganz einig gewesen sein. Einer der Gründer war Reneé Marc S., der später als al-Qaida-Propagandist verurteilt und vor Kurzem aus der Haft entlassen wurde. Seitdem soll es erneut Streit unter den Bremer Salafisten geben, so Radio Bremen.

Gegen S. liefen während seiner Haftzeit Ermittlungen, weil er innerhalb der JVA missioniert haben soll. Zu einer Anklage kam es nicht. Allerdings sind zwei der Männer, die S. für seine Ideen geworben haben soll, zumindest zeitweise nach Syrien ausgereist.

Hintergrund

Bremen gilt als eine Hochburg des Salafismus in Deutschland. Die Zahl der Anhänger pro Einwohner ist hier besonders hoch. Außerdem kommt eine verhältnismässig große Anzahl der deutschen Syrien-Ausreiser von hier.

Im Dezember 2014 verbot der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer den Kultur- und Familienverein (KuF) im Stadtteil Gröpelingen als verfassungsfeindlich. Dort soll aktiv für den Kampf in Syrien geworben worden sein. Im Februar 2016 verbot der Innensenator außerdem den Islamischen Förderverein Bremen (IFB) als Nachfolgeverein des KuF. Laut Senator hätten ehemalige Mitglieder des KuF versucht im IFB ihre Aktivitäten fortzusetzen.

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