Der „andere“ Terrorismus

Beim Thema Terrorismus denken viele heute vor allem an Islamisten. Die Bilder, die der Islamische Staat produziert, sind so gewaltig, dass sie im öffentlichen Bewusstsein oft leider sogar die brutale Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds überdecken. In Berlin nehmen sich zurzeit zwei Ausstellungen dem Links- und Rechtsterrorismus an.

Ich war über das Wochenende in Berlin und hatte am Sonntag die Gelegenheit, die Ausstellung „RAF – Terroristische Gewalt“ im Deutschen Historischen Museum zu besuchen. Die Sonderausstellung stellt die Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF) von ihrem Anfang bis zu ihrer Selbstauflösung 1998 dar und präsentiert u.a. viele bisher unveröffentlichte Videoaufnahmen. Die Erklärungen sind in Deutsch und Englisch, was ich klasse finde. Während sich Filme und andere Darstellung zur RAF oft mit dem „Deutschen Herbst“ (Schleyer-Entführung und Landshut-Entführung) beschäftigen, liegt hier der Schwerpunkt auf den vielen Anschlägen der Gruppe ab 1972.

Die Sonderausstellung war gut besucht – ein Beweis, dass das Thema RAF immer noch zieht, auch weil die Geschichte für viele Menschen des entsprechenden Alters Teil ihrer eigenen Erinnerung ist. Als ich in der Ausstellung war, entstand ein spontaner Diskussionskreis, in dem sich zwei ältere Frauen mit Studenten unterhielten und von ihren Erfahrungen und dem gesellschaftlichen Klima in den 1970er Jahren berichteten.

Und das ist vielleicht auch das größte Problem mit „RAF – Terroristische Gewalt“. Die Ausstellung setzt recht viel Basiswissen voraus, denn ein Narrativ fehlt, der die vielen spannenden Exponate (viele Briefe, Ermittlungsakten und Dokumente und u.a. das Motorrad vom Anschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback) in den Kontext einordnet. Ich bin mir nicht sicher, dass die Besucher ohne Audioguide (zu empfehlen) oder Führung wirklich gut informiert werden. Dabei hilft auch nicht, dass die Anordnung der Exponate und die Chronologie teilweise etwas willkürlich wirken. Ich habe mir deshalb das Begleitbuch zur Ausstellung gekauft (die verschiedenen Aufsätze wirken auf den ersten Blick sehr informativ).

Natürlich betrachtet man den historischen Linksterrorismus in Deutschland auch ein wenig durch die Brille der gegenwärtigen Problematik. Und da fällt dann doch auf, dass sich die RAF und andere linke Gruppen sehr lange mit ihren Rechtfertigungen aufgehalten haben. Auch Islamisten beschäftigen sich natürlich damit, aber die ausladenden Theoriedebatten und Konvolute sind vermutlich doch eher eine Spezialität des linken Spektrums („Die linken schwafeln mega gerne“ – Zitat meiner freundlichen Begleitung).

[Im Zusammenhang mit der Ausstellung gibt es mehrere Veranstaltungen in Berlin. Am Mittwoch 25. Februar über die Transnationale Dimension des Linksterrorismus]

Eine Ausstellung, die ich leider nicht gesehen habe, aber die ich gerne allen ans Herz legen möchte, ist in den Räumen von „Correctiv“ zu finden. „Weisse Wölfe – eine Grafische Reportage“ erklärt die Ideologie hinter dem rechten Terrorismus und wie sich in Dortmund eine Zelle mit Verbindungen nach Belgien bildet, die auch über einen Kontakt zum NSU verfügt. Wenn ich das richtig verstehe, haben die Macher ihre grafische Reportage in Wandtafeln verwandelt. Die Grafische Reportage ist auf jeden Fall auch als Grapic Novel erschienen und wird den Weg in mein Bücherregal finden. Laut eigener Aussage haben die Macher von „Weisse Wölfe“ keine Galerie in Berlin gefunden, die sich getraut hätte die Ausstellung zu beherbergen – ein Armutszeugnis und ein Grund mehr sie zu besuchen. (Politische) Gewalt (inklusive Terrorismus) gab und gibt es in Deutschland und sie findet leider immer noch zu wenig Beachtung – also Daumen hoch für „Correctiv“ und ihre Ausstellung.

„RAF – Terroristische Gewalt“ ist noch bis zum 26. April im Deutschen Historischen Museum zu sehen.

„Weisse Wölfe – Eine grafische Reportage über Rechten Terror“ läuft vom 23. – 27. Februar in den Räumen der Correctiv- Redaktion (Singerstraße 109).

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