Zweifelhafte Jihadismus-Prävention in Frankreich

Nach den Anschlägen von Paris hat die französische Regierung ein Programm gegen die Radikalisierung von jungen Muslimen aufgelegt.

Es ist die Suche nach einem präventiven Ansatz, der das repressive Vorgehen der Sicherheitskräfte unterstützen soll.

Unter dem Hashtag #stopjihadism und mit einer eigenen Webseite, versucht der Staat die Propaganda der Jihadisten zu bekämpfen. Dazu gehört ein Video, in dem die Versprechen des Islamischen Staats und anderer kämpfender Gruppen in Syrien und dem Irak als Lüge entlarvt werden sollen.

Grundsätzlich keine schlechte Idee, auch wenn es zweifelhaft sein dürfte, wie sehr die Message der Regierung in Stadtvierteln ankommt, in die sich die französische Polizei kaum noch traut und der Staat allgemein einen schweren Stand hat.

Zu der Kampagne gehört auch ein (Online-)Plakat, das auf mögliche Zeichen einer Radikalisierung hinweisen soll. Gewohnheitsänderungen, der Abbruch einer Ausbildung, Änderungen des Kleidungsstils, die Ablehnung von alten Freunden und Familienmitgliedern… das alles könnten danach Zeichen für eine beginnende Radikalisierung sein.

Das Plakat erinnert stark an die „Islamisten-Checkliste“, die 2012 der damalige niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann an Lehrer und Jugendamtsmitarbeiter im Bundesland verteilen lies. Dort war unter anderem von Gewichtsverlust durch veränderte Essgewohnheiten, plötzlicher Reichtum, plötzliche Schulden oder eine intensive Beschäftigung mit dem Leben nach dem Tod die Rede. Die Broschüre (und andere Aktionen) brachte Schünemann viel Kritik ein und wurde später zurückgezogen.

Das Problem mit solchen Checklisten ist, dass sie sehr breit viele Zeichen von Persönlichkeitsveränderungen umfassen. Nur, welcher Jugendliche hat solche nicht mindestens einmal während seiner Pubertät durchgemacht? Und selbst wenn ein Mensch religiös wird, ist das immer noch kein Zeichen, dass er sich demnächst in einem Supermarkt in die Luft sprengen wird.

Unbestreitbar ist schließlich auch, dass die Annahme ethischer Grundsätze (egal ob durch ein religiöses Erwachen oder anders) einen positiven Einfluss auf die Persönlichkeit und Entwicklung eines Menschen haben kann – zumal in einem von Kriminalität und Gewalt geprägten Milieu.

Statt Energie und Geld auf solche Plakatkampagnen zu verschwenden, sollte auch der französische Staat über ein strukturiertes Präventionsprogramm nachdenken, dass einschreitet, wenn junge Menschen sich der Gewalt zuwenden. Vorbilder (nicht unumstritten und weiterhin in der Entwicklung) gibt es in Deutschland und Großbritannien.

Foto: Thierry Caro (CC-BY-SA 4.0)

Advertisements

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s