Salafismus-Tagung der Bundeszentrale für politische Bildung (Part2)

Etwas verspätet, aber besser spät als nie: meine Anmerkungen zu zweiten Tag der Salafismus-Tagung in Bonn vergangene Woche.

William Hammonds verdanke ich die Erkenntnis, dass die Entwicklung des Prevent-Programms in Großbritannien weniger abgeschlossen ist, als ich bisher angenommen habe. Laut William gibt es zwar auf politischer Ebene eine Entscheidung, nicht mehr mit konservativen/puristischen Islamisten/Salafisten bei der Radikalisierungsprävention zu kooperieren, vor Ort sieht die Situation dann allerdings häufig anders aus und es wird weiterhin mit solchen Trägern zusammengearbeitet.

Die Diskussion über die verschiedenen Facetten des Islam in Deutschland erbrachte wenig neues. Interessant war allerdings die Debatte, die sich danach auf Twitter entspann.

Ich hatte ein Foto vom Prediger Abu Adam und dem Prof. für Religionspädagogik Mouchanad Khorchide gepostet. Khorchide hatte unter anderem gesagt, dass auch die Kooperation mit Imamen wie Abu Adam wichtig sei, weil es junge Leute gebe, die eher auf ihn hörten.

Die Debatte, die darüber entstand habe ich bereits in meinem ersten Post zu dieser Veranstaltung angerissen. Generell geht es darum, ob man auch mit sehr konservativen Predigern bei der Radikalisierungsprävention kooperieren sollte. In Großbritannien hat Robert Lambert (u.a. in seinem Buch Countering Al-Qaeda in London) diese Haltung ausdrücklich bejaht. Im speziellen ging es hier darum, ob Abu Adam denn nun ein puristischer Salafist ist (was offenbar Phillipp Holtmann in einem neuen Buch so schreibt) oder er orthodox ist und in keine Schublade passt, wie es Claudia Dantschke sieht.

Ich will mir kein Urteil erlauben, dafür fehlte mir die Grundlage. In einem Gespräch nach der Konferenz hat ein anderer Teilnehmer Abu Adam ebenfalls als einen puristischen Salafisten beschrieben. Allerdings sagt dieser in einem Interview mit Claudia Dantschke selbst: „Ich habe immer gesagt, dass ich kein Salafi bin, nie einer war und auch keiner sein will. Prophet Muhammad (saw) war kein Salafi und es gibt im Islam keine Salafiyya, nur Islam“ und „Die Salafisten nehmen von irgendeinem Scheich etwas und selbst wenn sie eine gute Aqida [Glaubensgrundlage] haben, wie immer behauptet wird, so haben sie doch ein schlechtes Benehmen: sie sind aggressiv, kritisieren andere Menschen, machen sie schlecht und werten sie ab, schicken sie in die Irre und drohen ihnen mit der Hölle. Sie verhalten sich so, als ob sie im Mittelalter leben würden. Sie beurkunden, wer ins Paradies und wer in die Hölle kommt, spielen sich als Richter auf und urteilen, obwohl Allah das von uns nicht verlangt hat. Denn es ist an ihm und nicht an uns zu urteilen“, sowie „Das Verhalten dieser Salafisten beschädigt unser islamisches Ideal. Deshalb lehne ich ihre Ideologie und ihre Vorstellungen ab.“

Insgesamt war die Konferenz sehr gut. Es waren sehr viele interessante Leute dort, die viel wussten und zum Teil stark in die Radikalisierungprävention involviert sind. D.h. zwei Tage worth my while.

Jeder, der leider keinen Platz mehr bekommen hat (die Warteliste war wohl sehr lang) kann sich freuen, dass die Veranstaltung demnächst wiederholt werden soll.

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