Salafismus-Tagung der Bundeszentrale für politische Bildung (Part1)

Ich nehme diese Woche an einer Tagung der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn teil. Mit dabei sind diverse Experten. Dazu gehören unter anderem Journalisten, Verfassungsschützer, Pädagogen, Polizisten, aber auch der salafistische Imam Abu Adam.

Interessante Erkenntnisse nach einem Tag:

Claudia Dantschke geht von rund 500 Syrien-Ausreisenden aus. Das sind deutlich mehr als die Zahl von 320, die bisher von den Sicherheitsbehörden genannt wird. Sie sagt außerdem: „Pierre Vogel ist vorbei. Der braucht die Medien um noch wahrgenommen zu werden.“ Das würde dazu passen, dass die Zuschauerzahl beim Auftritt Vogels in Bremen Anfang Juni eher übersichtlich war. Allerdings haben andere Beobachter auch auf die hohe Zahl der Jugendlichen bei der Veranstaltung hingewiesen. Für die scheint Vogel weiterhin interessant zu sein.

Ein Konsens scheint darüber zu bestehen, dass die Zivilgesellschaft und Schulen einen wichtigen Teil bei der Radikalisierungsprävention beizutragen haben. Die Sicherheitsbehörden könnten die Aufgabe nicht allein übernehmen. Ein Beamter verdeutlichte dies an einem drastischen Beispiel. Wenn vor kurzem ein 16 Jähriger in Syrien getötet wurde, hatte die Gesellschaft nach 9/11 13 Jahre Zeit, diesen Prozess zu verhindern. Das hat offensichtlich nicht funktioniert. Die Sicherheitsbehörden sind nur für die letzten paar Monate zuständig. Man dürfe sie mit dem Problem nicht allein lassen.

Außerdem finde ich faszinierend, dass in Deutschland nun eine Debatte nachvollzogen wird, die es in Großbritannien bereits vor einigen Jahren gab: Sollen Behörden und Träger mit puristischen Islamisten kooperieren. Abu Adam hat am Montag bereits die übliche Begründung für eine Kooperation erwähnt. Er und andere könnten durch theologische Argumente die jungen Menschen davon abhalten von der Militanz abhalten. In Großbritannien haben die Vertreter dieser Position die Diskussion verloren. Die Kooperation mit puristischen und politischen Salafisten wurde eingestellt. Es wurde argumentiert, dass ihre Ideologie schädlich für die Gesellschaft sei, auch wenn sie nicht direkt zu Gewalt führe. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich die Diskussion entwickelt.

Veranstaltungsdokumentation der BpB: hier.

Foto: ist von mir.

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