Zwischen Welten

Die TAZ mochte „Zwischen Welten“ nicht, die ZEIT hat ihn positiv mit einem gerade laufenden amerikanischen Afghanistanfilm verglichen.

„Zwischen Welten“ erzählt die Geschichte von Hauptmann Jesper und seinem Dolmetscher Tarik. Jesper hat die Aufgabe mit seinen Männern einer afghanischen Einheit bei der Verteidigung eines Dorfes zur Seite zu stehen. Tarik möchte mit seiner Schwester in Deutschland Asyl bekommen, da die beiden wegen seiner Arbeit für die Deutschen bedroht werden.

Der Film ist kein klassischer Kriegsfilm oder Antikriegsfilm. Es gibt genau ein größeres Feuergefecht (über eins erfahren wir nur etwas in einer Mauerschau). Es gibt keine verzweifelten Soldaten, die nicht in den Krieg ziehen wollen. Es gibt keine heroischen Helden. Eine (subtile) ideologische Message fehlt. Der Film will nicht beeinflussen, sondern erzählen. Ich habe selbst in Entwicklungsländern junge Menschen wie Tarik getroffen, die in einem jungen Alten viel Verantwortung tragen mussten. Junge Menschen mit einer besonderen Persönlichkeit, die mit Herausforderungen konfrontiert sind, die wir uns in unserem westlichen Wohlstandskokon nur schwer vorstellen können.

Der Film erzählt, welche schwierigen Entscheidungen Soldaten und vor allem die Afghanen treffen müssen. Er zeigt die kulturellen Schwierigkeiten zwischen afghanischen und deutschen Soldaten. Was ein bisschen kurz kommt ist Ignoranz auf beiden Seiten, die es in der Realität gibt und schwer vermeidbar ist. Im Film wollen eigentlich alle nur das Beste, auch wenn vielleicht mit verschiedenen Methoden. Über die Motive der Menschen, die Tarik bedrohen und die Bundeswehr angreifen, erfahren wir wenig. Aber auch da ist der Film sehr dicht an der Realität, denn oft weiß man eben nicht viel darüber, was auf die andere Seite denkt. Insgesamt handelt der Film vor allem von der menschlichen Seite des Konflikts und sehr wenig von der politischen.

Der Film ist nicht aufdringlich. Er erzählt die Hintergrundgeschichten der Personen allmählich. Wir bekommen das nicht direkt ins Gesicht gedrückt. Es gibt keine starke Charakterzeichnung. Vielmehr müssen wir die Protagonisten durch die Handlung verstehen, was mir sehr gut gefallen hat.

Ich finde die besondere Stärke des Films liegt darin, dass er die Handlung nicht dramatisiert. Wir erleben eine Geschichte, die aber eben so normal wirkt, dass man sich sehr gut vorstellen kann, dass sie sich so vielleicht gerade jetzt zuträgt.

Ein mehr als angemessener deutscher Afghanistanfilm.

Bildquelle: Björn Kommerell / Majestic

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